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Verursacher verheerender Waldschäden
Borkenkäfer - Buchdrucker und Kupferstecher

Borkenkäfer kommen weltweit und an allen Laubbäumen und Nadelbäumen vor.
Viele Arten der Borkenkäfer befallen nur eine oder wenige Wirtsbaumarten, andere haben ein sehr breites Spektrum von Baumarten.

Nahaufnahme eines Borkenkäfers
Zoombild vorhanden

Borkenkäfer (Bild: R. Vornehm)

Die meisten Arten besiedeln geschädigte oder bereits abgestorbene Nadelbäume oder Laubbäume. Einige aber sind gefährliche Waldschädlinge - sie befallen auch gesunde Bäume. Unter günstigen Bedingungen vermehren sie sich sprunghaft und können Waldbestände flächig zum Absterben bringen.

Borkenkäfer bohren sich durch die Rinde ihrer Wirts-Baumarten wie der Fichte und legen dort Brutgänge für ihre Nachkommen an.
Hierbei unterscheidet man: Holzbrütende Borkenkäfer, deren Gänge ins Holz vordringen und Rindenbrütende Borkenkäfer, die ihre Brutgänge unter der Rinde anfertigen.

Hauptschädling Buchdrucker
In Fichtenwäldern kommt es durch Borkenkäferfraß immer wieder zu verheerenden Schäden. Verursacher ist vor allem der Buchdrucker - seit dem heißen und trockenen Jahr 2003 hat auch der wesentlich kleinere Kupferstecher maßgeblich zum Absterben großer Fichtenbestände beigetragen.
Der Buchdrucker ist den gemäßigten Breiten der gefährlichste Borkenkäfer und Forstschädling. Ausgangspunkt von Massenvermehrungen sind Schadereignisse wie Windwurf, Schneebruch oder Trockenheit, so z.B. nach den Stürmen Vivian und Wiebcke (1990) oder dem Trockenjahr 2003.

Derzeit einzige wirkungsvolle Bekämpfung sind die Methoden der "sauberen Wirtschaft". Wichtig ist, daß befallene Bäume möglichst frühzeitig erkannt werden (an herausrieselndem Bohrmehl) und:

  • von Borkenkäfer befallene Bäume schnellstmöglich eingeschlagen werden (bevor die Käfer wieder ausfliegen und neuen Befall verursachen)
  • das Holz aus dem Wald abgefahren wird
  • bei Kupferstechergefährdung (ein kleinerer Borkenkäfer) auch Gipfelmaterial unschädlich gemacht wird (Häckseln, Verbrennen)

Biologie

Borkenkäfer gehören zur natürlichen Artenausstattung unserer Nadelwälder. Die Entwicklung ihrer Populationen hängt von vielen natürlichen Faktoren ab und dabei insbesondere von:

  • einer günstigen Witterung (Temperatur > 16,5 °C)
  • einem geeigneten Brutraum-Angebot

Nach größeren Schadereignissen, z. B. Windwurf oder Schneebruch, wird sich ein gewisser Anstieg der Population nie ganz vermeiden lassen. Der Borkenkäfer gehört zur natürlichen Dynamik des Waldes. Ohne ausreichende Waldschutzmaßnahmen kann es jedoch sehr rasch zu Massenvermehrungen mit gravierenden wirtschaftlichen, landeskulturellen und ökologischen Schäden kommen:

In Fichtenwäldern besteht nach Sturm- oder Schneebruchschäden ein sehr hohes Risiko für die Entwicklung einer Borkenkäferkalamität, vor allem des Buchdruckers.

Je nach aktueller örtlicher Käferdichte und Witterungsbedingungen (Monate Mai - September) kann es bei unterlassener, unzureichender oder unvollständiger Aufarbeitung der Windwurf- und Bruchhölzer bereits im Folgejahr, häufig aber auch erst nach 2 - 3 Jahren zu Massenvermehrungen kommen, die zum Stehendbefall und ggf. flächenhaften Absterben gesunder Bäume führen.
Um dies zu vermeiden, ist es unbedingt erforderlich, den "Waldschutz" bei allen betrieblichen Entscheidungen zu berücksichtigen. Versäumnisse führen nicht nur zu weiteren Schäden am Bestand, sondern können den Holzmarkt über Jahre hinaus belasten sowie ernsthafte öffentlich-rechtliche und privatrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Unzureichende Waldschutzmaßnahmen führen so zu hohen wirtschaftlichen Verlusten!

Vorbeugung und Bekämpfung

Kontrolle auf Stehendbefall

Nach Sturm- oder Schneebruchschäden besteht grundsätzlich die Gefahr, dass sich eine Borkenkäferkalamität entwickelt. Stehendbefallskontrollen sind daher zwingend notwendig.

2003 wurde der Stehendbefall meist durch den Kupferstecher ausgelöst. Nebenstehende Abbildung zeigt das heuer typische Befallsbild: gut ausgebildete Brutbilder des Kupferstechers (sternförmig) sowie durch Brutraumkonkurrenz mit Kupferstechern oft sehr kurze Muttergänge des Buchdruckers.

Bohrmehlsuche

Die Bohrmehlsuche ist die einzige Möglichkeit, befallene Bäume frühzeitig, d. h. noch vor dem Wieder-Ausflug der Altkäfer, auf jeden Fall aber vor dem Ausflug der Jungkäfer zu erkennen.

Wann ?

Im Frühjahr, einige Tage nach Einsetzen des ersten Schwärmflugs, dann im 2-wöchigen Rhythmus (in der Kalamitätsphase: 1-wöchiger Rhythmus). Bohrmehl wird nur ausgeworfen, solange die Rammelkammer und die Muttergänge angelegt werden.

Wichtig:

Kurz nach Regen oder starkem Wind keine Bohrmehlsuche durchführen, da Bohrmehl abgewaschen bzw. verweht wird.
Schwärmphasen des Buchdruckers bei der zeitlichen Einteilung der Bohrmehlsuche berücksichtigen: nicht unmittelbar nach Einsetzen des Schwärmflugs suchen, sondern erst nach einigen Tagen.

Wie ?

Die zu kontrollierenden Bäume einzeln angehen!
Nach Bohrmehlspuren suchen hinter Rindenschuppen, am Stammfuß, auf Spinngeweben. Auch herabgefallene, grüne Nadeln sind im Sommer ein Zeichen für Stehendbefall (dann sind die Käfer allerdings z.T. schon wieder ausgeflogen).
Befallene Bäume markieren und in eine spezielle Befallskarte eintragen. Diese Befallskarte und eine laufende Dokumentation sind wichtige Hilfsmittel während der gesamten Kalamität. Nur so ist nachvollziehbar, wo es im vergangenen Jahr zu Stehendbefall kam. Alte Befallsherde sind nämlich häufig der Ausgangspunkt für neuen Stehendbefall.

Wo ?

Vorjährige Befallsorte; bekannte Befallsorte aus früheren Jahren; südexponierte und sonstige wärmebegünstigte Lagen; aufgerissene, untersonnte Waldränder; Umgebung von Windwurfnestern.
Die Stehendbefallskontrolle dabei insgesamt auf buchdrucker-taugliche Fichtenbestände (ab Alter 30) konzentrieren.

Kartierung des Stehendbefalls aus der Luft

In unzugänglichem Gelände und um in kurzer Zeit einen Überblick über das gesamte Befallsgebiet zu bekommen, ist die Kartierung aus der Luft sehr gut geeignet. Befallene Bäume können anhand der Kronenverfärbung erkannt werden. Ab ca. Mitte Juli ist neben dem Vorjahresbefall auch Frühjahrsbefall desselben Jahres erkennbar. Allerdings sind zu diesem Zeitpunkt die Jungkäfer bereits ausgeflogen. Erkannte Nester müssen kartenmäßig festgehalten werden. Diese Karte (M 1: 10.000) ergänzt die Befallskarte (s.o.) oder bildet deren Grundlage. Die Kartierung aus der Luft ersetzt aber keinesfalls die Bohrmehlkontrolle, da mit dieser Methode nur Bäume nach dem Ausflug der Käfer erkannt werden können! Im Spätsommer (September) kann in Kalamitätsgebieten in Verbindung mit der letzten Bohrmehlsuche ein nochmaliger Kontrollflug sinnvoll sein.
Im Gebirge ist die sog. "Gegenhangkontrolle" ein weiteres, gut geeignetes Hilfsmittel, um Stehendbefallsinseln (nach Ausflug der Jungkäfer!) zu erkennen.

Aufarbeitung von Käferholz

Alle entdeckten Käferbäume, aus denen die Käfer noch nicht ausgeflogen sind, müssen - genauso wie bei der vorbeugenden Schadholz-Aufarbeitung - unverzüglich eingeschlagen werden. Anschließend sind die Hölzer sofort zu entrinden oder aus dem Wald abzutransportieren. Eine Behandlung von Einzelstämmen mit Insektiziden scheidet aus.
Nach dem letzten Schwärmflug im Spätsommer (ab ca. Anfang bis Mitte September) sollte die Arbeitskapazität auf das Auffinden der Käferbäume konzentriert werden. Befallene Bäume jetzt nur markieren und im Laufe von Herbst und Winter aufarbeiten!

Verbrennung von Ästen, Gipfelstücken oder Rinde

Gesetzliche Grundlage ist die "Verordnung über die Beseitigung von pflanzlichen Abfällen außerhalb zugelassener Beseitigungsanlagen" (PflAbfV). Pflanzliche Abfälle aus dem Forstbetrieb dürfen dort verbrannt werden, wo sie angefallen sind, soweit dies aus forstwirtschaftlichen Gründen erforderlich ist. Die Formulierung "dort, wo sie angefallen sind" kann auch am Waldrand oder unmittelbar neben dem betroffenen Waldstück bedeuten. Auskünfte über die Bestimmungen und Vorsichtsmaßnahmen geben die Landratsämter und kreisfreien Städte. Diese können im Einzelfall auch Ausnahmen zulassen, wenn dadurch das Wohl der Allgemeinheit (z. B. Sicherheitsaspekte) nicht beeinträchtigt wird.
Zur Orientierung ein Merkblatt des LRA Nürnberger Land:

Einsatz von Pheromonfallen

Pheromonfallen sind i.d.R. nicht geeignet, um durch Massenfang die Population des Buchdruckers spürbar zu reduzieren. Die Abschöpfungsrate ist minimal. Das Aufstellen und die laufende Kontrolle zahlreicher Pheromonfallen ist kosten- und zeitintensiv und bindet Arbeitskapazität, die besser in eine intensive Stehendbefallskontrolle investiert werden sollte.
Einzelne, an südexponierten Lagen aufgestellte Fallen können jedoch hilfreich sein, um die aktuelle Schwärmaktivität zu überwachen und dementsprechend die Bohrmehlkontrollen durchzuführen. Diese "Weiserfallen" müssen allerdings 2-3 mal pro Woche kontrolliert werden!

Fragen und Antworten

Angesichts der häufig angespannten Borkenkäfersituation in Fichtenbeständen ist es wichtig, dass alle Waldbesitzer möglichst umfassend über Biologie und Befallsverhalten von Buchdrucker und Kupferstecher informiert sind. Nur bei guten Kenntnissen über den Schädling kann man das Befallsrisiko richtig einschätzen, rechtzeitig und mit den richtigen Maßnahmen reagieren, und so eine weitere Ausbreitung verhindern.
Deshalb habe ich hier immer wieder auftretende Fragen und Unsicherheiten zu diesem Thema zusammengetragen und im Folgenden kurz beantwortet.

Waldschutzstrategie

Wichtigstes Ziel ist es, eine landesweite Kalamität zu vermeiden. Dazu muss

  • ein möglichst hohes Maß der Borkenkäferpopulation abgeschöpft und
  • das Brutraumpotenzial der Borkenkäfer soweit wie möglich reduziert werden.

Nur so lässt sich für das nächste "Käferjahr" eine für den Wald möglichst günstige Ausgangssituation erreichen.

Das bedeutet:

  • Die Wälder müssen weiterhin intensiv (am besten wöchentlich) auf Befall kontrolliert werden.
  • Festgestellte Befallsnester müssen umgehend und sorgfältig ausgeräumt werden.
  • Befallenes Holz ist rasch, möglichst sofort nach dem Einschlag aus dem Wald zu entfernen (mind. 500 m Abstand in Luftlinie). Alternativ können befallene Stämme entrindet und die Rinde entweder verbrannt oder auf große Haufen aufgeworfen werden. Die in den Haufen entstehende Wärme (bis 65°C) führt zur Abtötung evtl. ausflugbereiter Käfer.
  • Bei etwaigem Windwurf oder Schneebruch während des Spätherbstes und Winters muss alles anfallende Schadholz bis Ende März 2004 aus den Beständen entfernt werden, da es im Frühjahr dem Buchdrucker und dem Kupferstecher als Brutmaterial und damit als "Starthilfe" zur weiteren Vermehrung dient.
  • Wegen des Risikos von Kupferstecherbefall müssen auch Äste und Gipfelstücke zuverlässig gehäckselt, abtransportiert oder verbrannt werden.

Die Verbrennung von Ästen, Gipfelstücken oder Rinde ist nur möglich bei niedriger Waldbrandgefahr!

Soweit nicht alles befallene bzw. bruttaugliche Material zeitgerecht aus den Wäldern entfernt werden kann, können auch für die Borkenkäferbekämpfung zugelassene Insektizide angewendet werden (Polterspritzung). Die Behandlung sollte unter Beachtung der Wasser- und Naturschutzauflagen so erfolgen, dass die Wirkstoffe bis zum Ausflug der Borkenkäfer nicht bereits wieder abgebaut sind (Gebrauchshinweise beachten).

Tipps für private Waldbesitzer

Rechtsfolgen von unterlassenen Waldschutzmaßnahmen
Überwachung und Bekämpfung der Borkenkäfer sind gesetzliche Pflichten des Waldbesitzers. Versäumnisse führen nicht nur zu handfesten Schäden im eigenen Wald oder im Wald der Nachbarn, sondern können auch hoheitliche Zwangsmaßnahmen (bis zur Ersatzvornahme) sowie Bußgelder auslösen. Hinzu kommen ggf. zivilrechtliche Schadensersatzforderungen geschädigter Nachbarn.

Die staatlichen Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wirken im Rahmen ihrer Kapazitäten bei der Kontrolle und Überwachung mit und informieren Privatwaldbesitzer über beobachteten Befall und die notwendigen Maßnahmen.

Tipps für städtische Waldbesitzer
Waldbesitzer, die nicht (mehr) über forstliches Know-how und/oder Geräte verfügen, sind genau wie alle anderen Waldbesitzer verantwortlich für den Schutz ihrer Wälder und die Erfüllung der gesetzlichen Pflichten. Dies gilt auch für die "urbanen Waldbesitzer", die z.B. in der Stadt wohnen und weit weg auf dem Land ein Stück Wald besitzen. Wir empfehlen in solchen Fällen dringend, die Borkenkäferkontrolle und -bekämpfung durch Verträge mit geeigneten Dienstleistern, z.B. Forstbetriebsgemeinschaften oder Waldbauernvereinigungen, sicher zu stellen. Die örtlichen Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stehen für Informationen und Beratung zur Verfügung, können jedoch solche operativen Aufgaben nicht selbst übernehmen.

Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbauernvereinigungen
Die Selbsthilfeorganisationen der Waldbesitzer unterstützen diese u.a. bei der Organisation der Schadholzaufarbeitung und - vermarktung.

Wie geht's weiter nach dem Borkenkäfer?

  • Borkenkäferflächen sind auch in den Folgejahren regelmäßig zu kontrollieren, da erfahrungsgemäß an den Rändern ein erhöhtes Risiko für Neubefall besteht. Ursache ist häufig die zu zögerliche Aufarbeitung befallener Fichten, die noch eine grüne Krone aufweisen.
  • Geräumte Flächen müssen innerhalb von drei Jahren wieder in Bestockung gebracht werden. Kleinstflächen, deren Größe natürlichen Waldblößen entsprechen, fallen nicht darunter. Vorhandene Naturverjüngung ist ggf. durch Pflanzung geeigneter Baumarten zu ergänzen.
  • Borkenkäfer gehören zur natürlichen Artenausstattung von Fichtenwäldern. Das Risiko der Massenvermehrung wird sich in Fichten reichen Wäldern nie ganz vermeiden lassen. Wir empfehlen deshalb den sukzessiven Umbau von Nadelwäldern in Mischwälder. Mischwälder sind stabiler gegen Stürme, Trockenheit oder Insekten und damit auch für die Folgen des Klimawandels besser gerüstet. Die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bieten hierfür kostenlose Beratung.

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