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StMELFBayerische ForstverwaltungGefahren für den Wald → Die Rosskastanie in Gefahr - Die Kastanienminiermotte
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Früher Herbst für die Rosskastanie - Die Kastanienminiermotte

Welche Bedeutung hat die Kastanienminiermotte für die Rosskastanie in Bayern?

Städte wie München oder Würzburg sind bereits im Sommer durch verbräunte Rosskastanien geprägt, Baumschulen bekommen zunehmende Schwierigkeiten, die Weißblütige Rosskastanie zu verkaufen. Die Auswirkungen auf die bayerischen Wälder sind äußerst gering, da die Rosskastanie nur in wenigen Exemplaren in den Wäldern Bayerns vorkommt.
In München gibt es mehr als 10.000 Exemplare der Rosskastanie. Bedingt durch klimatische Faktoren war der Befall der Rosskastanie beispielsweise im Jahr 2000 deutliche stärker als in den Vorjahren, bereits im Juli 2000 war fast das gesamte Stadtbild durch "braune" Rosskastanien geprägt. Im Jahr 2001 ist dagegen der Befall an der Rosskastanie wieder wesentlich geringer.

Wie sieht die Kastanienminiermotte aus?

Die erwachsenden Kastanienminiermotten sind in Sitzposition rund 5 mm lang. Die Flügelgrundfarbe ist metallisch-ocker mit außen schwarz gerandeten weißen Querstreifen, die Beine sind weißlich, dunkel gescheckt. Die winzigen Eier sind weißlich und von rundovaler Form. Ihre Größe liegt bei nur 0.2-0.4 mm. Sie werden grundsätzlich nur auf der Blattoberfläche der Rosskastanie abgelegt.
Die Larven der Kastanienminiermotte sind je nach Alter 1-5 mm lang. In Anpassung an ihre Lebensweise innerhalb des Rosskastanien-Blattes sind sie stark abgeflacht. Die Puppen sind 3-5 mm lang und braun. Ihr Kopf hat einen spitzen Fortsatz, mit dem die Puppe eine Schlupföffnung in der Blattepidermis erzeugt.
Es gibt nur wenige pflanzenfressende Tiere auf der Rosskastanie, die Minen bilden. So ist die Bestimmung der Kastanienminiermotte eigentlich einfach. Allerdings können die Minen im Blatt der Rosskastanie mit einem Pilz bzw. mit Salzschäden verwechselt werden. Um sicher zu gehen, kann man das Blatt der Rosskastanie gegen das Licht halten. Handelt es sich um eine Mine der Kastanienminiermotte, wird man eine Larve, eine Puppe, zumindest aber Kotkrümel erkennen können.

Wie lebt die Kastanienminiermotte?

Die erwachsene Kastanienminiermotte schlüpft in den frühen Morgenstunden und sammelt sich mit anderen am Stamm der Rosskastanie. Kurz darauf paaren sich die Kastanienminiermotten und die Weibchen legen etwa 20-40 Eier auf der Oberseite der Blätter der Rosskastanie ab. Im Freiland schlüpfen etwa nach 2-3 Wochen aus diesen Eiern die Junglarven.
Die Junglarven sind "Saftschlürfer". Sie fressen innerhalb des Blattes der Rosskastanie von der leeren Eischale aus zunächst 1-2 mm strichförmig parallel zum Blattnerv. Dann beginnen sie wie in einem Bergwerk oder einer Mine (daher der Name: Kastanienminiermotte) ihre Gänge seitlich vorzutreiben. Die Larven im 2. und 3. Stadium sind "Gewebefresser": Die Larven erweitern ihre Mine im Blatt der Rosskastanie zu einem Kreis bis zu einem Durchmesser von 5-8 mm. Die Altlarven sind ebenfalls Gewebefresser, die eine 3-4 cm lange, unregelmäßig geformte Mine fressen, die meist durch 2 Seitennerven läuft. Bei starkem Befall können die Minen der einzelnen Larven sogar zusammenfließen.
Die Puppenruhe der Kastanienminiermotte beträgt im Sommer 12-16 Tage, überwinternde Puppen ruhen etwa 6 Monate. Vor dem Schlüpfen bohrt sich die bewegliche Puppe mit ihrem zugespitzten Kopf halb aus der der oberen Blattepidermis der Rosskastanie heraus. Dies ist notwendig, da ja Schmetterlinge keine beißend-kauenden, sondern leckend-saugende Mundwerkzeuge besitzen und sich so nicht aus dem Rosskastanien-Blatt befreien könnten. Schließlich platzt die Kopfkapsel auf und entlässt den Falter. Zurück bleibt nur noch eine leere Puppenhülle.

Werden auch andere Bäume als die Rosskastanie befallen?

Hauptwirtspflanze der Kastanienminiermotte bei uns in Europa ist die Weißblütige Rosskastanie (Aesculus hippocastanum). Die Rotblütige Rosskastanie (Aesculus x carnea) wird zwar ebenfalls mit Eiern belegt, die schlüpfenden Junglarven sterben jedoch überwiegend ab. Oft besitzt die Rotblütige Rosskastanie im Sommer noch grüne Blätter, während benachbarte Weißblütige Rosskastanien schon vollkommen braun sind. Zum Teil werden auch Bergahorne, die z.B. unter einer stark befallenen Rosskastanie stehen, mit Eiern der Kastanienminiermotte belegt.

Wie hat sich die Kastanienminiermotte in Europa verbreitet?

  • 1985 Erster Nachweis der Kastanienminiermotte an der Rosskastanie in Mazedonien
  • 1989 wurde sie in Oberösterreich im Raum Linz beobachtet
  • 1992 kamen Meldungen aus Niederösterreich im Raum St. Pölten
  • 1992 fand man sie in Norditalien
  • 1993 wurde die Kastanienminiermotte an Rosskastanien in Süddeutschland registriert
  • 1998 wurde sie in der Schweiz und in Tirol beobachtet.
  • 1998 Einwanderung nach Frankreich und Belgien
  • 1999 Nachweise in Holland

Wie stellt sich die Situation für die Rosskastanie in Deutschland dar?

Im Herbst 1993 konnte die Kastanienminiermotte etwa 20 Kilometer vor München auf Autobahnparkplätzen an isoliert stehenden Rosskastanien nachgewiesen werden. In den benachbarten Orten war sie noch nicht festzustellen. 1998 hatte sie praktisch die Rosskastanie in ganz Bayern besiedelt. In den letzten Jahren hat sich die Kastanienminiermotte über weite Teile Deutschlands ausgebreitet. 1998 wurde sie aus Bonn gemeldet. 2000: Besiedlung weiter Teile des östlichen Niedersachsens. Geringe Dichten an der Rosskastanie in Bremen, Hamburg und Hannover. Erstnachweise für Schleswig-Holstein im Herbst 2000.

Warum breitet sich die Kastanienminiermotte so stark aus?

Die Gründe für die starke Ausbreitung der Kastanienminiermotte sind völlig ungeklärt. Es werden klimatische Faktoren ebenso angeführt wie die Möglichkeit der Einschleppung von Amerika nach Mazedonien. Allerdings ist die Motte in Amerika unbekannt. Auch die Einschleppung aus Asien ist eine Hypothese die erst noch überprüft werden muss.
Ein wesentlicher Grund für die starke Ausbreitung des Schädlings an der Rosskastanie dürfte in dem Fehlen effektiver natürlicher Feinde begründet sein. Inzwischen wurden zwar ca. 15-20 verschiedene Parasitoiden-Arten nachgewiesen, allerdings liegen die Befallsraten fast stets unter 10% liegen.

Warum ist nicht jede Rosskastanie gleich stark befallen?

Die Stärke des Befalls der einzelnen Rosskastanie hängt vom Standort ab. Rosskastanien, unter denen das Herbstlaub nicht entfernt wird, sind deutlich stärker betroffen als solche, bei denen das Laub entweder entfernt oder durch den Wind verweht wird. Auf diese Weise können sich auch kleinräumige Unterschiede im Befall der Rosskastanie durch die Kastanienminiermotte ergeben.

Stirbt die Rosskastanie bei starken Befall?

Über die Auswirkungen des starken Befalls für die Rosskastanie kann bisher nur wenig gesagt werden. Bisher sind in Bayern keine Meldungen eingegangen, dass eine Rosskastanie auf Grund des Motten-Befalls abgestorben ist. Da die Kastanienminiermotte bereits seit 11 Jahren in Österreich auftritt, ist wahrscheinlich, dass die Bäume über einen längeren Zeitraum auch starken Befall ertragen. Trotzdem gibt es deutliche Hinweise, dass kontinuierlich stark befallene Rosskastanien Stresssymptome aufweisen:
So wurde beobachtet, dass die Rosskastanie im Herbst neue Blüten treibt. Denkbar ist auch eine langfristige Schädigung und/oder eine Disposition für andere Krankheitserreger als der Kastanienminiermotte.

Wird die Kastanienminiermotte genauso schnell verschwinden wie sie gekommen ist?

Die Kastanienminiermotte werden wir und die Rosskastanie nicht mehr 'loswerden'. Die Kastanienminiermotte ist somit zu einem festen Bestandteil unserer Fauna geworden.

Welche Methoden gibt es, die Rosskastanie zu schützen?

Sämtliche Bekämpfungsverfahren zum Schutz der Rosskastanie gegen die Kastanienminiermotte sind bisher aus verschiedensten Gründen unbefriedigend verlaufen. Chemische Bekämpfungen sind zudem zu teuer, da die Rosskastanie individuell behandelt werden müsste. Oft schädigen die Rosskastanie mehr, als sie ihr nützen.

Welche chemischen Bekämpfungsmethoden gibt es?

  • Dimilin: Ein Häutungshemmer, der für Menschen und Tiere außer Insekten relativ ungefährlich ist. Das Dimilin muss zum Zeitpunkt der Eiablage der Kastanienminiermotte auf die Blattoberseite (Eiablage) der Rosskastanie ausgebracht werden. Bei großen Exemplaren der Rosskastanie müsste man also mit Hochdruckspritzen oder Hubschraubern arbeiten. Die Behandlung müsste jedes Jahr wiederholt werden, mit wesentlichen negativen Einfluss auf die natürlichen Feinde.
  • Confidor: Mit Hilfe von kräftigen Injektionsnadeln wird das Mittel in den Stamm der Rosskastanie eingebracht. Rosskastanien reagieren jedoch auf solche Verletzungen mit Nekrosen (krebsartige Wucherungen rund um die Injektionsstellen). Ein jährlicher Einsatz, der auch bei Confidor notwendig wäre, ist nicht möglich.

Beide Mittel scheinen für den notwendigen jährlichen Einsatz zum Schutz der Rosskastanien nicht geeignet. Aus diesem Grund ist in naher Zukunft nicht mit einem neuen Wundermittel zu rechnen. Die sehr teure Verwendung chemischer Mittel wird sich deshalb nur auf einzelne schützenswerte Exemplare der Rosskastanie beschränken.

Kann man die Kastanienminiermotte mit natürlichen Feinden bekämpfen?

Vögel werden bei den hohen Mengen an Larven und Puppen nie in der Lage sein, die hohen Schädlingsdichten für die Rosskastanie nachhaltig zu senken. Aber auch bei den heimischen Parasitoide deutet sich in Bayern selbst nach 7 Jahren noch keine Steigerung der Wirksamkeit an. Erstaunlicherweise liegen nach den Untersuchungen von Jona Freise scheinbar auch in Mazedonien die Parasitierungsraten meist unter 5-10%, was die These unterstützt, dass die Kastanienminiermotte nicht aus Südosteuropa stammt.

Wie sind die Chancen einer Bekämpfung der Kastanienminiermotte mit Pheromonen?

Prinzipiell gibt es 3 Anwendungsmöglichkeiten:

  • Pheromon-Fallen: Mit herkömmlichen Leimtafeln wird man aber den schlüpfenden Falter nicht Herr werden können. Es müssen also geeignete Fallen entwickelt werden, so das bis zur Praxisreife dieses Verfahrens sicherlich noch einige Jahre ins Land gehen werden.
  • Verwirrmethode:Um die Wirtspflanze wird eine Pheromonwolke erzeugt, in der sich die Männchen nicht mehr zu den Weibchen orientieren können.
  • 'Attract And Kill'-Methode: Hierbei werden die Männchen mit Hilfe des Pheromons an bestimmten Plätzen angelockt und durch ein Kontaktgift getötet. Eine Schädigung anderer Insekten wird so vermieden.

Wie kann der Gartenbesitzer seine Rosskastanie schützen?

Unter günstigen Bedingungen kann eine Entfernung des Herbstlaubes der Rosskastanie (in dem die Puppen überwintern) zu einer deutlichen Senkung des Befalls im Folgejahr führen. Selbst wenn zum Spätsommer der Blattschaden an der Rosskastanie wieder deutlich zunimmt, ist diese Maßnahme sinnvoll. Die Rosskastanie hat so genügend Zeit für den Aufbau von Reservestoffen.
Allerdings wird in einfachen Komposthaufen nur ein geringer Teil der Puppen abgetötet.

Alle Informationen zur Kastanienminiermotte an der Rosskastanie stammen vom Lehrstuhl für angewandte Zoologie der Technischen Universität München.